Feldforschung · 25+ Interviews

Warum Leads nach Events verloren gehen: Erkenntnisse aus 25+ B2B-Interviews

Wir haben Vertriebs- und Business-Development-Profis gefragt, wie sie Gespräche auf Events tatsächlich festhalten. Fast alle haben ein System. Fast alle verlieren trotzdem Leads. Hier bricht der Prozess.

Bevor wir irgendetwas gebaut haben, haben wir mehr als 25 ausführliche Interviews mit Menschen geführt, deren Arbeit von den Gesprächen auf Events abhängt: Vertriebsleiter, Business-Development-Manager, Partnership-Manager, Berater und Public-Affairs-Profis in ganz Europa. Wir haben nach einem bestimmten, unspektakulären Moment gefragt — der Lücke zwischen einem guten Gespräch auf der Messe und dem Follow-up, das danach kommen sollte.

Die deutlichste Erkenntnis war zugleich die überraschendste. Das Problem ist fast nie das CRM, die Notiz-App oder mangelnde Disziplin. Fast alle Befragten hatten Werkzeuge und die richtige Absicht. Was immer wieder scheiterte, war die fragile, manuelle, gedächtnisabhängige Brücke zwischen dem Gespräch und dem System, das es festhalten soll. Leads gehen nicht aus Nachlässigkeit verloren. Sie gehen bei der Übergabe verloren.

Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

  • Alle greifen zu denselben einfachen Mitteln — Papier, Handy-Notizen, Fotos von Visitenkarten, Sprachnotizen, E-Mails an sich selbst — und das alles gleichzeitig verstreut.
  • Viele Teams betreiben eine manuelle „menschliche Brücke" ins CRM: Ein Kollege oder eine Assistenz tippt nach dem Event Karten und Notizen ab. Eine befragte Person übergibt rund 5.000 Visitenkarten an eine Assistenz zum Erfassen; eine andere verbringt 2–3 Stunden pro Event mit dem Eintippen ins CRM.
  • Ein CRM zu besitzen heißt nicht, darin zu erfassen. Nutzer von Salesforce, HubSpot, Dynamics und Pipedrive berichteten von vergessenen Passwörtern, fehlendem Offline-Zugriff und CRMs, die nur für Management-Reports dienen.
  • Das Gegenüber aufzunehmen ist ausgeschlossen — beschrieben als „toxisch", rechtlich riskant und unangenehm für den Gesprächspartner.
  • Die Menge überfordert das Gedächtnis. Eine befragte Person zählte rund 200 Gespräche auf einem einzigen Event. Ein wiederkehrender Satz: Von zehn sind zwei bis zum Morgen schlicht weg — besonders vom Abend.
  • Die wertvollsten Gespräche sind oft die informellen — an der Bar, in der Kaffeepause — wo niemand mitschreibt.

Wie halten B2B-Profis Gespräche auf Events tatsächlich fest?

Sie greifen zu dem, was im Moment am schnellsten und am wenigsten unangenehm ist — und das ist fast nie ihr CRM. In den Interviews tauchten immer wieder dieselben Methoden auf: ein Papierblock, Notizen im Handy, ein Foto der Visitenkarte, eine kurze Sprachnotiz und — überraschend oft — eine E-Mail an sich selbst.

Die Werkzeuge, die am Tisch gewinnen, sind die, die das Gespräch nicht unterbrechen. Ein Public-Affairs-Profi trägt zwei Papierblöcke bei sich und hält das Tippen am Handy mitten im Gespräch für unhöflich. Ein Senior-Business-Developer im Zahlungsverkehr schrieb sich nach jedem Gespräch selbst eine E-Mail — und stand danach vor einem Stapel Dutzender E-Mails zum Sortieren. Der rote Faden: Das Festhalten verteilt sich auf drei, vier oder fünf Kanäle, und das spätere Zusammensetzen ist die Aufgabe, die niemand mag.

Die verborgene „menschliche Brücke" ins CRM

Das war das auffälligste Muster der gesamten Studie. In vielen Organisationen ist die Verbindung zwischen einem Event und dem CRM keine Software — es ist ein Mensch, der Daten manuell erfasst.

Wir kommen mit einem Stapel Visitenkarten zurück, und später tippt sie jemand in eine Tabelle.

Vertriebs- & Marketingleitung · Fertigung

Die Beispiele häuften sich. Eine Business-Development-Leitung in einer Beratungsgesellschaft übergibt rund 5.000 gesammelte Karten an eine Assistenz. Eine Marketingleiterin lässt ihr Team Event-Berichte aus Notizblöcken und Kartenfotos schreiben. Eine BD-Fachkraft im IT-Bereich nannte das zwei- bis dreistündige Abtippen der Event-Kontakte in HubSpot als ihren größten Schmerzpunkt. Andere beschrieben eine Kette — Papier zu Tabelle zu Kollege, der es in Salesforce weiterleitet — oder eine gemeinsame Messaging-Gruppe, in der die Teammitglieder die Notizen der anderen von Hand abschreiben.

Die Erkenntnis

Die Arbeit wird nicht dort erfasst, wo sie gebraucht wird. Sie wird später von Hand neu erstellt — oft von jemandem, der gar nicht dabei war. Jeder manuelle Zwischenschritt ist eine Stelle, an der ein Lead leise verschwindet.

Warum nutzen Teams nicht einfach ihr CRM auf dem Event?

Weil ein CRM hervorragend im Speichern von Daten ist und schlecht im Erfassen — besonders auf einer lauten Messe, am Handy, am Ende eines langen Tages. Die Befragten besaßen ernstzunehmende CRMs und griffen im Moment trotzdem nicht dazu.

Eine Person hatte ein mobiles CRM, aber das Passwort vergessen, und merkte an, dass es offline nicht funktioniert. Eine andere gab zu, sie habe „angenommen, das CRM könne das, aber nie gelernt, wie". Mehrere nutzten ihr CRM nur für Management-Reports oder Massen-E-Mails, nicht zum Festhalten des tatsächlich Gesagten. Die mobile CRM-App blieb in der Praxis ungenutzt. Das Ergebnis ist überall gleich: Erfasst wird in Notizen, und das CRM wird später von Hand gefüttert — falls überhaupt.

Warum Aufnehmen nicht die Lösung ist

Eine naheliegende „Lösung" wäre, das Gespräch aufzunehmen und zu transkribieren. Jede befragte Person, die das ansprach, lehnte es ab. Das Gegenüber aufzunehmen galt als unangemessen, für den Gesprächspartner unangenehm und in mehreren Fällen schlicht rechtswidrig.

Mein Gegenüber aufzunehmen wäre unangenehm. Das hier nicht.

Business-Development-Manager · Software

Ein Public-Affairs-Profi nannte es „toxisch", während eines Gesprächs das Handy zum Aufnehmen oder auch nur zum Tippen hervorzuholen. Ein anderer nutzt bewusst einen Papierblock, weil er Respekt signalisiert und dem Gegenüber ein Gefühl von Wertschätzung gibt. Das akzeptierte Muster ist eindeutig: die eigenen Notizen festhalten — auch als kurze Sprachnotiz an sich selbst — statt jemanden aufzunehmen. Das ist eine soziale und rechtliche Grenze, keine Frage der Funktion.

Menge, Müdigkeit und der Abend-Nebel

Das Problem verschärft sich genau dann, wenn man am wenigsten dafür gerüstet ist. Die Befragten beschrieben, dehydriert, müde und von Lärm umgeben zu sein — Bedingungen, unter denen sorgfältiges Notieren zusammenbricht. Eine Marketingleiterin erinnerte sich an ein einziges Event mit rund 200 Gesprächen und einem Stapel Karten, den sie weder dem Gesagten zuordnen noch nach Wichtigkeit sortieren konnte.

Von zehn Dingen sind zwei weg — besonders vom Abend.

Business-Development-Leitung · Beratung

Das ist das 21-Uhr-Hotelzimmer-Problem: Der Moment, in dem man den Tag am dringendsten festhalten und ordnen müsste, ist der Moment mit der geringsten Energie dafür. Das Gedächtnis lässt genau die Gespräche fallen, auf die es ankam.

Wo die Leads wirklich verloren gehen: das Follow-up

Das Festhalten ist nur die halbe Geschichte. Der messbare Verlust passiert meist nach dem Event, beim Follow-up. Die Befragten gaben zu, dass nicht alle ein Follow-up bekommen, dass wichtige Gespräche vergessen werden und dass ein einziger verpasster Faden eine echte Chance kosten kann.

Wenn mir etwas entgeht, kann ich den Lead verlieren.

Business-Development-Leitung · Mobilitätssoftware

In geschäftlichen Begriffen: Mehrere Befragte merkten an, dass ein verlorener Deal weit mehr wert sein kann als jedes Werkzeug, das ihn verhindert hätte — aber der Verlust ist unsichtbar, weil man den Kontakt, bei dem man nie nachgefasst hat, nicht messen kann. Die Follow-up-Lücke ist eine Umsatzlücke, die auf keinem Dashboard auftaucht.

Die wertvollsten Gespräche sind die informellen

Ein letztes, durchgängiges Thema: Die wertvollsten Begegnungen passieren oft dort, wo niemand mitschreibt. Der Abend an der Bar, die Schlange am Kaffee, der Weg zwischen zwei Sessions. Als wir die Idee ansprachen, dass das wichtigste Gespräch oft abseits des Stands stattfindet, fand das sofort Anklang — ein Senior-Developer sagte, das beschreibe seine Erfahrung genau. Ein anderer liebte die Idee, sich eine Zehn-Sekunden-Sprachnotiz zu hinterlassen, während er kurz zur Toilette geht.

Die Konsequenz für jede Lösung ist streng: Eine Erfassungsmethode muss im Flur und an der Bar funktionieren, nicht nur am Stand — und ohne den Moment unangenehm zu machen.

Was das bedeutet: Die Lücke liegt zwischen Gespräch und CRM

Legt man die Erkenntnisse übereinander, wird der Engpass offensichtlich. Es sind nicht die Notiz-Apps, und es ist nicht das CRM — beides existiert bereits und funktioniert meist. Es ist die fragile, manuelle, gedächtnisabhängige Ebene dazwischen: das Abtippen, das Sich-Erinnern, die Übergabe aus dem Notizblock einer müden Person Tage später in ein System.

Schließt man diese Lücke — ein Gespräch in Sekunden im Moment festhalten und automatisch zu Kontakten, Kernpunkten, nächsten Schritten und einem fertigen Follow-up strukturieren — hört die gesamte nachgelagerte Kette auf zu lecken. Genau diese Ebene sollte RELOS sein.

Wie wir diese Recherche durchgeführt haben. Dieser Artikel beruht auf mehr als 25 ausführlichen Interviews mit Vertriebs-, Business-Development-, Partnership- und Public-Affairs-Profis in ganz Europa — aus Zahlungsverkehr, Mobilität, Logistik, Beratung, IT, Fertigung und Energie. Zitate sind anonymisiert und identifizierende Details entfernt. Diese Gespräche haben auch direkt geprägt, wie wir RELOS gebaut haben.

Häufig gestellte Fragen

Wie machen sich Menschen auf Business-Events üblicherweise Notizen?
Die meisten greifen zu einer Mischung einfacher Mittel: Papierblock, Handy-Notizen, Fotos von Visitenkarten, kurze Sprachnotizen und E-Mails an sich selbst. In unseren Interviews verteilte sich das Festhalten fast immer auf drei oder mehr davon — genau dort fallen Informationen durch.
Warum tragen Vertriebsteams Leads nicht auf dem Event ins CRM ein?
CRMs sind zum Speichern und Verwalten gemacht, nicht zum schnellen Erfassen in einem lauten Raum am Handy. Befragte mit Salesforce, HubSpot, Dynamics und Pipedrive berichteten von vergessenen Passwörtern, fehlendem Offline-Zugriff und CRMs, die vor allem für Management-Reports dienen — also greift man zu Notizen und trägt später nach, wenn überhaupt.
Ist es in Ordnung, ein Gespräch auf einem Event aufzunehmen?
Die befragten Profis hielten das Aufnehmen des Gegenübers durchgehend für unangemessen und rechtlich riskant — eine Person nannte es „toxisch". Die akzeptierte Alternative ist, die eigenen Notizen festzuhalten, auch als kurze Sprachnotiz an sich selbst, statt das Gegenüber aufzunehmen.
Was ist der häufigste Grund, warum Event-Leads verloren gehen?
Nicht ein fehlendes CRM oder mangelnde Absicht, sondern die fragile, manuelle, gedächtnisabhängige Brücke zwischen dem Gespräch und dem Follow-up. Notizen sind verstreut, werden Tage später von Hand übertragen, und einige Gespräche werden schlicht vergessen — besonders vom Abend.
Wie viele Gespräche führt man auf einem großen Business-Event?
Das variiert stark je nach Rolle, aber Befragte berichteten von einem Dutzend bis zu rund 200 Gesprächen auf einem einzigen Event — genug, dass das Gedächtnis allein zuverlässig einige davon verliert.

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